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Anny Hartmann

Politisches Kabarett

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"Sie sind das Methadon-Programm für Volker Pispers Fans. Ihre Programme sind die Sesamstraße für politische Bildung."
(Fan aus Hamburg)

 

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Andreas schrieb am 2. November 2021 um 11:10
Liebe Frau Hartmann, es war sehr schade dass Sie ihren Auftritt in Göppingen so kurzfristig abgesagt haben. Nun würde ich gerne verstehen warum. Andere Kleinkünstler deren Veranstaltungen ich in den letzten Wochen besucht habe, haben sich alle gefreut und bedankt wieder auftreten zu können, und das Publikum war ebenso dankbar - unabhängig ob 2G oder 3G. Sie nicht? War die Absage ein politisches Statement gegen die Entscheidung des Veranstalters für 3G oder gegen die vorschriebenen Maßnahmen? "Können Sie nicht" vor maskierten? Waren Sie besorgt wg. der steigenden Zahlen oder anderweitig verhindert/erkrankt? Ich respektiere jeden Standpunkt und wäre dankbar für eine kurze Rückmeldung. Die Absage war enttäuschend, ich hätte Sie gerne live erlebt Viele Grüße Andreas aus dem Raum Göppingen
Administrator-Antwort von: Anny Hartmann
Lieber Andreas, schön, dass Sie nachfragen. Meine Absage hing mit der Maskenpflicht am Platz zusammen - von der ich leider erst so kurzfristig erfahren habe. Aktuell ist BW das einzige Bundesland, dass das so handhabt. Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich auch vorher reagiert. Die Kurzfristigkeit der Absage tut mir leid. Die Absage an sich halte ich weiterhin für richtig. Ich versuche eine Erklärung, es kommen sehr viele Dinge zusammen: 1. Die Maskenpflicht am Platz gilt weder in Restaurants, noch in Sporthallen (z.B. Handball-, Volleyball- Eishockey). Das ist eine extrem ungerechte Regelung und behindert die Kulturveranstaltungen unverhältnismäßig. Und ich bin ja nicht politische Kabarettistin geworden, um politische/behördliche Entscheidungen kritiklos hin zu nehmen und keine Konsequenzen zu ziehen. 2. Wir Künstler*innen müssen endlich anfangen, uns gegen diese unverhältnismäßigen Auflagen zu wehren. Mal abgesehen davon, dass medizinisch sinnvoll nur 1G wäre: alle getestet und zwar kostenfrei! Denn auch Geimpfte und Genese können das Virus übertragen. Trotzdem bin ich bereit, 3G mitzutragen, auch 2G - auch wenn ich das für eine Impfflicht durch die Hintertür halte. Aber da ich Impfungen für eine der großen Errungenschaften der Medizin halte, kann ich auch das noch mittragen. 3. Eine Maskenpflicht am Platz hingegen behindert mich stark in meiner Arbeit. Meine Auftritte zeichnen sich unter anderem durch einen sehr engen Kontakt zum Publikum aus - diesen kann ich aber nicht herstellen, wenn die Gesichter hinter Masken versteckt sind. Und das Lachen in der Maske stecken bleibt. Bei mir ist kein Abend gleich - ich reagiere immer auf das Publikum. Klar, der Grundtext steht fest, aber ich sehe immer in der Mimik des Publikums, ob sie mir noch folgen können, ob ich gerade überfordere und dann baue ich spontan eine „leichte“ Passage ein, damit Entspannung entstehen kann, bevor ich weiter „schwere“ Themen bearbeite usw. Da geschieht nonverbal immer sehr viel. Und all das kann mit Gesichtern hinter Masken nicht statt finden. An diesem Punkt möchte ich aber meinen Anspruch an die Qualität meiner Auftritte nicht aufgeben. Hilfe, mir fällt grad Christian Lindner ein: es ist besser nicht zu spielen, als falsch zu spielen - so weit ist es schon gekommen 😉 Ich hoffe, ich konnte Ihnen meine Haltung verständlich machen und wir sehen uns irgendwann ohne Maske in einem Theater wieder. Beste Grüße Anny Hartmann Und hier die Antwort von Andreas: Liebe Frau Hartmann, vielen herzlichen Dank für die ausführliche und schlüssige Erklärung! Diese kann ich nachvollziehen - und selbst wenn nicht, könnte ich sie akzeptieren. Eine offene Gesellschaft lebt ja nicht zuletzt auch von Meinungsvielfalt und deren regem Austausch! Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer künstlerischen und (indirekt) politischen Arbeit.
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