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Anny Hartmann

Politisches Kabarett

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Juliette W. aus Juliette W. schrieb am 19. Mai 2017 um 01:45
Sehr geehrte Frau Hartmann, ich habe Ihren Soloauftritt in der letzten "Anstalt" gesehen und möchte Ihnen gerne sagen, dass ich eine so kurze und bündige (und witzige!) Erklärung eines Grundeinkommens bislang noch nie gehört/gesehen habe. Vor allem aber sticht Ihr Beitrag auch deshalb aus dieser Sendung hervor, weil Sie mal etwas machen, was sich nicht in den Grenzen des üblichen "Empörung-Aufstapelns" des üblichen Kabaretts (und so auch normalerweise in dieser Sendung) bewegt. Kein "Männer-Kabarett" eben 🙂 Man kann ja durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob ein Grundeinkommen unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen wirklich neue Wege eröffnet oder auch nur in Ansätzen zu verwirklichen ist, bzw., ob es darüber hinaus überhaupt ein grundlegender Lösungsansatz ist. Aber allein eine breite und unvoreingenommene Diskussion über das Grundeinkommen (unter Ausschluss aller den Begriff des Grundeinkommens missbrauchenden, neoliberalen Konstrukte) setzte meines Erachtens eine Fantasie frei, die alle wirklich progressiven gesellschaftlichen Kräfte aus ihrer Schockstarre angesichts des scheinbar unbezwingbaren, "alternativlosen" Kapitalismus befreien könnte. Oder um es anders zu sagen: Die Erzählung vom Grundeinkommen weist in eine gute Zukunft, macht Lust darauf (im Gegensatz zum sicherlich auch notwenigen, aber auf die Dauer und seiner Ausschließlichkeit nervtötenden, faktenhuberischen "Empörung-Aufstaplen" wie bspw. in der "Anstalt"). Oder noch mal anders gesagt: Ihr Beitrag, Ihre in Ihren Auftritt eingewobenen, einfachen, rhetorischen Fragen in der "Anstalt" sind eine ganz konkrete, aktuelle (und künstlerische) Umsetzung des berühmten Satzes: "Seien wir realistisch - versuchen wir das Unmögliche." Insofern hat das Grundeinkommen selbstverständlich etwas mit Kommunismus zu tun. Auch wenn man das heute so nicht einfach sagen kann... (..Eben nicht mit demjenigen, den wir uns gegnwärtig unter Nordkorea vorzustellen haben und schon gar nicht mit dem, welcher u.a. mit der DDR verbunden wird...) -Übrigens haben ausgerechnet Albrecht Müllers [SPD!] "NachDenkSeiten" Ihren Beitrag massiv kritisiert. Das fand ich ziemlich illoyal, unsolidarisch und vor allem auch dämlich. Zumal wenn man weiß, dass der Hintergrund-Autor der "Anstalt" mit den Machern der "NachDenkSeiten", welche bekanntermaßen schon beim Begriff "Grundeinkommen" Pickel bekommen, mindestens informell verbandelt ist. -Offensichtlich hat bei diesen Leuten das protestantische Arbeitsethos irgendwann und irreversibel bis auf die geistige DNA hart durchgeschlagen... Machen Sie bitte weiter so! Verbiegen Sie weiter mit aller aus der Bitterkeit zu Gebote stehenden Heiterkeit die Spiegel der ökonomistischen rechten wie pseudo-linken Sichtweisen, auf dass die Poesie lebt (denn die ist wirklich progressiv und links!). Gerade junge Leute könnten so neue, echte Hoffnung schöpfen - und statt ständig auf ihr Smartphone zu stieren - den Blick heben, um den Anderen mal wirklich anzusehen, dessen Hand zu greifen, um dann voller Zuversicht loszugehen... 🙂 Mit freundlichen Grüßen Juliette
Administrator-Antwort:
Hallo Juliette, danke für Ihren ausführlichen Eintrag. Schön, dass Sie auch das kreative Potenzial der Idee Grundeinkommen sehen. Ich freue mich immer, wenn junge Leute im Publikum sind, weil die durchs BGE meiner Meinung nach wirklich eine Chance auf Veränderung hätten. Ich weiß, dass die NachDenkSeiten massive Grundeinkommens-Gegner sind, aber die muss es ja auch geben 😉 ich würde mir nur wünschen, dass man sich mehr darauf konzentriert, sich einig zu sein, dass sich was ändern muss, als aneinander rumzukritisieren. Deswegen möchte ich hier auch ganz ausdrücklich die Anstalt verteidigen! Absolut kein Männer-Kabarett, wobei ich den Begriff genau so doof finde, wie Frauenkabarett. Ich unterscheide lieber in Menschen mit Haltung und solchen ohne, die nur reden. Und seien Sie versichert: die Macher der Anstalt haben Haltung und wollen wirklich was bewegen! Und dafür braucht es eben auch die Informationen über die existierenden Fakten. Und ein bisschen mehr Empörung (die sich nicht nach unten richtet) könnte den Deutschen echt nicht schaden! Also ein Hoch auf Sie, auf die Anstalt und auf das BGE! Beste Grüße Anny Hartmann
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