"Sie sind das Methadon-Programm für Volker Pispers Fans. Ihre Programme sind die Sesamstraße für politische Bildung."
(Fan aus Hamburg)
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Martin A. R.
schrieb am 7. Juli 2024
um
00:56
Hi Anny (ich bin so frei, bin der Ältere),
sowas von unwahrscheinlich, dass ich mal einen "Leserbrief" schreiben würde...was fährt denn da in mich?
Aber in Deinem Fall überkommt es mich aus irgendeinem mir unbekannten Grund.
Quatsch, gibt genug Gründe, die ich auch bestimmt kenne und benennen könnte, wenn ich nur drüber nachdenken würde...
Soll ich mal?
Äußerst beeindruckend, wie Du mit Verstandesschärfe, Kenntnis, Frechheit, Witz und Humor (genau meiner) und Mut (ja, Mut , den ich nicht hätte, weil Öffentlichkeit angreifbar und attackierbar macht [gerade durch Zeitgenossen, die nicht wissen, was sie tun, die einfach unreflektiert einen Ableiter brauchen, weil sie keine Meinung haben (s. unten)], dem würde ich mich nicht aussetzen wollen ) nicht nur die Bedrohungen, die jeden denkenden Menschen persönlich betroffen machen müssten, die aber auch uns alle, und damit auch die nicht denkenden Menschen betreffen, fein säuberlich sezierst und mit einfacher Sprache jedem mindestens durchschnittlich intelligenten Menschen begreifbar machen kannst, sondern in Deinen Themenschwerpunkten in genau die Richtung stößt, die Lösungsansätze bieten können und derer Du ja auch etliche anbietest (deren Einzelheiten natürlich diskutierbar sind und, wie ich Dich einschätze, auch diskutiert werden dürfen/sollen).
Meckern und labern und fordern kann ja jeder, aber konstruktiv mitdenken scheint vielen, die das sicher könnten, dann doch zu anstrengend. Ist ja auch s c h e i ß e anstrengend (und wenn man dann noch bei sich selbst anfangen müsste...sein Tun womöglich auf den Prüfstand stellen müsste...).
Sieht man ja an solchen Gästebucheintragungen, die Dich und Dein Tun pöbelhaft verunglimpfen, aber keine Argumente darunter zu mauern haben. Sie denken, sie sagen Dir mal die Meinung, verkennen dabei aber, dass argumentationsfreie Behauptungen gar keine Meinung sind; und noch schlimmer, wenn sie gar keine eigenen Behauptungen zu vertonen haben, sondern aus zweitem oder drittem (viertem?) Mund nachplappern.
Guck, genauso wie ich hier, kann jeder Depp heute vom Leder ziehen, wie er will, seine "Meinung" rausblasen, ohne je dahinter zu kommen, dass er vielleicht gar keine Meinung hat (ups...wie ich? Lass das andere beurteilen).
Als Meinung kann nämlich nur gelten, was sich auf Tatsachen und Zusammenhänge stützt. Und die sollte man wohl kennen und begriffen haben. Hat man aber vielfach nicht, und wenn das so ist, ist so eine "Meinung" auch meistens unumstößlich. Da stützt sich eine angebliche Meinung auf eine "Meinung" (unsäglich!)
Ich selbst habe zu manchen Dingen auch eine abschließende Meinung, zu vielen aber eben auch nicht. Und meine abschließende Meinung bleibt trotzdem offen für neue Argumente und mir bisher unbekannte Tatsachen und wird so auch revidierbar. Also umstößlich. Meinungen sind ja nur Stand der Erkenntnis, aber keine Naturgesetze.
Weißte, Anny, da wo sich in mir Impulse bemerkbar machen, solche geistlosen "Meinungsverbreiter" verbal niedermachen zu wollen, bleibst Du so wunderbar und beneidenswert cool und diplomatisch. Du hast eben kapiert, dass manchmal verbal nichts auszurichten ist. Aber wenn nicht verbal, wie dann? Ach so, nicht verbal impulsiv, sondern verbal diplomatisch? A n s t r e n g e n d !
Ich lerne von Dir!
Alle Achtung!
Hut ab! (Ja, manchmal trag ich Hut)
Also Chapeau! (nach Jutta Limbach bezeugt dieser Ausruf echte Freude und Anerkennung gegenüber einer anderen Person und ihrer Leistung [...] und drückt damit Überraschung aus, aber eben kein Erstaunen [...]. Gerade "eingewanderte Wörter" wie Chapeau seien geeignet, Sprachlücken im zwischenmenschlichen Umgang zu schließen. Im Gegensatz zu "Respekt!" impliziere es vielmehr Würde und Stolz, klinge weniger nach Unterwürfigkeit [Quelle Wikipedia]).
Politisches Kabarett...
Im Gegensatz zu vielen Deiner Gäste bin ich nicht der Ansicht, dass man Dein Werk mit anderen Größen Deiner Zunft vergleichen kann und sollte. Du bist, wie jeder der vielen anderen, von denen häufig nur zwei/drei genannt werden, nicht nur eigenständig, sondern natürlich einzigartig. Dich in eine Reihe mit den Großen stellen, ja, unbedingt, aber vergleichen...nein.
Vergleiche werden keiner Persönlichkeit gerecht, man nimmt ihr damit die Individualität. Und ich finde, das darf man nicht.
Vergleiche werden keinem Individuum gerecht, man nimmt ihm damit die Persönlichkeit. Und ich finde, das darf man nicht. (Konnte mich nicht für eine Version entscheiden)
Das würde ja bedeuten, dass solche Stimmen des Kabaretts, die verstummt sind, nicht fehlen, weil jemand anderes an ihre Stelle getreten ist. Ausgeschlossen! Wer diese Stimmen kannte, dem werden sie immer fehlen.
Aber kein Grund zur Traurigkeit, wir haben noch immer viele klare Köpfe, die sehen, denken, sezieren und uns mit Wahrheiten versorgen. Wir sollten ihnen zuhören und sie über den Abend mit Kalauern und Lachern hinaus in uns wirken lassen. Denn der Spaß beim Kabarett ist nur eine willkommene Nebensache, eigentlich ist politisches Kabarett eine todernste Sache. Nur scheint mir die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit gering.
Leider sind politische Kabarettprogramme wenig dazu geeignet Menschen dazu anzuregen, selbständiges Denken zu beginnen, Menschen zum Pool der Denkenden zu rekrutieren, weil der Großteil des üblichen Publikums dies längst praktiziert.
Schön wäre es, wenn politisches Kabarett die Bewegung hervorrufen könnte, die hervorzurufen es eigentlich angetreten ist. Wie es gelingen könnte, politisches Kabarett aus der bloßen Unterhaltung (was es anscheinend für viele ist) herauszuheben und den Stellenwert in der täglichen Informationslandschaft stark und stärker zu machen, möchte ich als wichtige Aufgabe ansehen. Vorstellen könnte ich mir Talkformate, die sich mit ganz normalen denkenden Menschen direkt im Anschluss an eine Kabarettsendung mit ebendieser befassen, gern auch unter Beteiligung der Künstler.
Du, Anny, gendere, wer gendern will, mir persönlich liegt es nicht, meine in Jahren und Jahrzehnten erworbenen, praktizierten und damals auch benoteten Sprachkenntnisse zu verbiegen, zu vergewaltigen, zu zerrupfen. Die Rechtschreibreform fand ich schon schlimm, dass ich heute teilweise nicht mal mehr weiß, wie ich es mal gelernt habe.
Ich sehe auch nicht das Problem, statt von KabarettistInnen von Kabarettisten und Kabarettistinnen zu sprechen. Von mir aus auch von Kabarettistinnen und Kabarettisten, falls die Frau zuerst genannt werden will. Kann sie haben. Und wenn ich nur von Kabarettisten spreche, ignoriere ich niemals eine Frau, wenn sie zum Kabarettistentreffen erscheint. Nie habe ich gelernt, eine Frau zu ignorieren und nicht zu würdigen. Und wenn ich das hätte, würde gendern daran auch nichts ändern.
Kostet mich das mehr Zeit beim Lesen oder Sprechen als laufend über Innen zu stolpern? Ich denke nicht.
Und wenn es um reine Frauenmannschaften, sorry, Frauenfrauschaften geht, sind dann deren Viererbobs oder Segelboote oder Raumschiffe unbemannt?
Und wenn es um einen Menschen geht, der da hinten steht, der Mensch da, ist das, die, der da dann kein Mensch mehr wenn es sich um eine Frau handelt? Tür und Tor für Absurditäten weit geöffnet.
Und wie fremdenfeindlich kann sowas empfunden werden, wenn jemand Deutsch lernen will oder muss?
Gibt es noch andere Sprachen, die sich so gebärden?
Ob ich Menschen, egal wen, achte oder nicht, ergibt sich natürlichst aus meinem Verhalten ihm gegenüber.
Fertig. Dieser Exkurs musste gerade sein.
Spät heute, mal schließen.
Vielleicht schreib ich mal wieder was, weil Meinung ohne Ende vorhanden ist.
Wünsche Dir weiter klares Denken und beste Zeiten
Ein Martin
Administrator-Antwort von: Anny Hartmann
Hallo Martin, danke für deinen ausführlichen Eintrag und die vielen Gedanken, die du dir machst. Und ja, nicht alles, was geäußert wird, ist auch eine Meinung. Vor allem, sollte immer ein Diskurs möglich sein. Danke auch für dein Lob und deine Unterscheidung zwischen "in eine Reihe stellen" und "vergleichen". Schönes Kompliment. Zur Aufgabe des Kabaretts: ich glaub nicht, dass es eine Bewegung auslösen kann - aber es kann Wissen vermitteln und Menschen bestärken! Das ist die große Kraft des Kabaretts. Und die Kunst kann immer (Gedanken-)Räume für Utopien öffnen. Dir weiterhin viel Spaß beim Denken und Meinen, beste Grüße, Anny Hartmann
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